Die PFAS-Regulierung betrifft Startups in Österreich besonders bei Beschaffung, Produktion und Marktzugang. Unternehmen müssen betroffene Stoffe identifizieren, Lieferketten prüfen, Alternativen bewerten und rechtliche Anforderungen erfüllen, um Risiken wie Sanktionen oder Geschäftsverlust zu vermeiden.
Die absehbare Verschärfung der PFAS-Regulierung in Österreich und der EU wird vor allem für Startups zu einer kritischen Compliance-Herausforderung: Betriebe müssen ihre Produkte und Lieferketten systematisch auf PFAS-Risiken prüfen, rechtliche Vorgaben erfüllen und Alternativen entwickeln, um Sanktionen und Marktverlust vorzubeugen. Besonders betroffen sind innovative Unternehmen mit begrenzten Ressourcen, die oft erst beim Markteintritt auf regulatorische Stolpersteine treffen.
- Ab 2025 plant die EU umfassende PFAS-Beschränkungen mit Auswirkungen für Produktion, Beschaffung und Berichterstattung.
- Startups müssen PFAS in Produkten und Prozessen identifizieren und Alternativen frühzeitig prüfen.
- Nichteinhaltung drohen hohe Strafen, Imageschäden und der Verlust von Geschäftspartnern.
Was die PFAS-Regulierung für Unternehmen in Österreich bedeutet
Die PFAS-Regulierung bezeichnet geplante und bestehende Verbote sowie Beschränkungen für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), eine Stoffgruppe, die aufgrund ihrer Persistenz und Toxizität als besonders besorgniserregend gilt. Unternehmen in Österreich, insbesondere Startups, sind damit verpflichtet, PFAS-Vorkommen in Produkten, Prozessen und Lieferketten systematisch zu bewerten und gegebenenfalls zu eliminieren. Die politischen und wirtschaftlichen Folgen reichen von strengeren Prüfpflichten über erhöhte Berichterstattung bis zu weitreichenden Beschränkungen einzelner Anwendungen.
Welche PFAS-Regeln bereits gelten – und was noch geplant ist
Bis 2026 besteht eine Übergangsphase: Einzelne PFAS, wie PFOA und verwandte Stoffe, sind bereits EU-weit durch die REACH-Verordnung beschränkt. Derzeit arbeitet die EU an einer weiten Beschränkung von PFAS, die voraussichtlich ab 2025–2026 greift, nachdem die ECHA-Fachausschüsse ihre wissenschaftlichen Bewertungen abgeschlossen haben. Die künftigen Regeln werden weite Teile der Chemie-, Textil-, Verpackungs- und Elektronikbranche betreffen, wobei für manche Anwendungen Ausnahmen oder Übergangsfristen eingeplant sind.
Welche Unternehmen, Produkte und Lieferketten betroffen sein können
Besonders gefährdet sind Startups und KMU aus sensiblen Branchen wie Textilien, Elektronik oder Lebensmittelverpackungen, aber auch alle Unternehmen, die Komponenten, Materialien oder Halbzeuge aus internationalen Lieferketten beziehen. Zu den kritisch betroffenen Produkten gehören beispielsweise imprägnierte Gewebe, hitzebeständige Dichtungen, spezielle Elektronikbauteile, Farben und Lacke sowie zahlreiche Verpackungen. Besonders herausfordernd: PFAS sind oft nicht direkt als Inhaltsstoff deklariert, sondern gelangen über Vorprodukte oder Hilfsmittel in die Lieferkette. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, Informationen von ihren Zulieferern aktiv einzufordern und kritisch zu überprüfen.
Pflichten zu Stoffdaten, Meldungen und Überwachung
Zu den wichtigsten Pflichten zählen die Identifikation betroffener Produkte, das Erstellen eines unternehmensinternen PFAS-Registers und die Analyse technischer Alternativen. Darüber hinaus müssen Unternehmen ihre Lieferanten offensiv ansprechen, um PFAS-Informationen einzuholen, und bereits frühzeitig eventuelle SVHC-(Substance of Very High Concern)-Pflichten sowie REACH- oder SCIP-Meldepflichten prüfen. Für Substanzen auf der SVHC-Liste besteht ab 0,1 Gewichtsprozent in Erzeugnissen Meldepflicht in die SCIP-Datenbank. Eine pauschale PFAS-spezifische Berichts- oder Überwachungspflicht existiert jedoch (Stand 2026) nur für bestimmte Stoffe und Anwendungen.
Risiken für Beschaffung, Produktion und Marktzugang
Die Nichteinhaltung der PFAS-Regulierung kann Unternehmen teuer zu stehen kommen: Neben empfindlichen Sanktionen, Bußgeldern und Haftungsrisiken kann auch der Zugang zu Märkten versperrt sein, falls Produktvorgaben nicht eingehalten werden.[3] Zudem drohen Imageschäden, der Verlust von Geschäftskunden sowie Rückruf- oder Nachbesserungskosten. Für Startups besteht die Gefahr, dass Investoren und Abnehmer verstärkt auf Compliance und dokumentierte PFAS-Freiheit achten. Besonders herausfordernd ist die aktuelle Rechtsunsicherheit bezüglich Umsetzungsfristen und zugelassener Übergangslösungen.
Typische Probleme: Ressourcenknappheit und Umstellungsaufwand
Ein zentrales Problem ist die mangelnde Ressourcenlage vieler Startups: Die Analyse von Lieferketten und die Umstellung auf PFAS-freie Alternativen sind zeit- und kostenintensiv. Die oft kurzfristigen und schwer durchschaubaren Anpassungsfristen führen zu Investitionsunsicherheit sowie der Gefahr von Fehlentscheidungen bei der Produktentwicklung.[3] Hinzu kommt, dass Alternativen zu PFAS nicht für jede Anwendung technisch ausgereift oder wirtschaftlich verfügbar sind.
Aktuelle Entwicklungen rund um PFAS-Regulierung und Beratung
Seit 2023 intensivieren Wirtschaftskammern und Beratungsinstitutionen ihre Informationsangebote für Unternehmen, etwa durch gezielte Webinare und Handlungsempfehlungen. Insbesondere Startups wird geraten, frühzeitig eigene Compliance-Strategien zu entwickeln und in Beratung zu investieren, um mit dem nächsten Regulierungszyklus Schritt zu halten. Die künftigen Regelungen sind noch nicht in Kraft, aber Unternehmen sollten bereits jetzt reagieren, um Spielraum für Anpassungen zu gewinnen.
So prüfen Startups ihre PFAS-Exposition
Startups sollten zunächst eine Bestandsaufnahme sämtlicher eingesetzter Stoffe, Materialien und Erzeugnisse machen. Wichtig ist das Hinterfragen aller Produktdatenblätter sowie die aktive Kontaktaufnahme zu Lieferanten, um die Lieferkette auf PFAS-Bezug zu überprüfen. Eine strukturierte Dokumentation – etwa im Rahmen eines internen PFAS-Registers – hilft, Risiken zu erkennen und Nachweise im Falle einer Kontrolle vorlegen zu können. Im nächsten Schritt sind die relevanten gesetzlichen Melde- und Berichtspflichten zu prüfen: Auch wenn die breite PFAS-Beschränkung noch nicht greift, gelten bestehende SVHC-Meldepflichten bereits für einzelne Stoffe.
Hilfreich für Startups kann eine Checkliste sein, die folgende Schritte abdeckt: PFAS-Quellen im Unternehmen identifizieren, Lieferanten gezielt befragen, gesetzliche Vorgaben regelmäßig überprüfen, erste Alternativen bewerten und bereits jetzt fachliche Beratung einholen.
Alternativen, Ausnahmen und Übergangslösungen
Die Suche nach PFAS-freien Alternativen gestaltet sich anspruchsvoll: Häufig sind Ersatzstoffe technisch weniger leistungsfähig oder wirtschaftlich schwer realisierbar. Dennoch empfiehlt es sich, den Markt frühzeitig nach passenden Substituten zu sondieren und Entwicklungen zu beobachten. Übergangslösungen bestehen insbesondere in dokumentierten Umstellungsstrategien und in der Nutzung von Ausnahmen, falls diese branchenspezifisch angeboten werden. Die endgültige Ausgestaltung von Ausnahmeregelungen und Fristen ist bis zum Abschluss des EU-Regulierungsverfahrens noch offen, weshalb Unternehmen gut beraten sind, bereits jetzt die relevanten Dokumentationen anzulegen und bei Behörden oder Beratungsstellen nach branchenspezifischer Unterstützung zu fragen.
Konkreter Fahrplan für die nächsten Schritte
Startups sollten sich auf eine mehrstufige Umstellung vorbereiten: Zunächst durch Erfassen aller relevanten Stoffdaten und eine strukturierte Lieferkettenbefragung, anschließend durch Bewertung rechtlicher Pflichten und bestehender Ausnahmen. Es empfiehlt sich, ein PFAS-Register zu führen, mögliche Alternativen zu dokumentieren und sämtliche Kommunikation mit Zulieferern und Kunden festzuhalten. Wer frühzeitig informiert und vorbereitet ist, kann nicht nur Risiken minimieren, sondern auch Investoren und Geschäftspartner durch nachweisliche Compliance überzeugen.
Quellen
[3] PFAS – Auswirkungen der Regulierung auf Unternehmen in der Praxis (RETTIG Austria, 2023-08-14)



















